Babylon in einem Herrenzimmer

Wie ein Mann in Peter Bichsels Kurzgeschichte “Ein Tisch ist ein Tisch” seine Sprache verliert – und damit auch die Menschen 

Es ist eben wie es ist. Der Eintönigkeit etwas entgegenzusetzen, ist die Herausforderung für jeden modernen Menschen. Auch der namenlose Protagonist in Peter Bichsels Kurzgeschichte tut das, er sitzt in der Öde seines spartanisch eingerichteten Zimmers, konfrontiert mit der immer wiederkehrenden Leere in seinem Leben. So beschließt er eines Tages, seinen Einrichtungsgegenständen neue Namen zu geben und verliert sich dadurch in seiner Kunstsprache – und damit auch den Kontakt zu den Menschen.

Das erscheint über lange Strecken amüsant bis komisch, doch das Lachen bleibt einem schließlich im Halse stecken: Konvention ist zwar eintönig, aber doch notwendig. Die Verwirrung zwischen Bett, Stuhl und Tisch erscheint trivial, doch sie spricht das Problem an, das sich gerade im Zeitalter der sozialen Netzwerke mehr und mehr offenbart: die Vereinsamung im Besonderen.

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